Digitaler Stadtrundgang Olfen

Leohaus

 

Das Leohaus ist seit seiner Einweihung am 27.10.1929 ein zentraler Treffpunkt Olfens. Es entstand, um hauswirtschaftliche Kurse durchzuführen und um einen Kindergarten einrichten zu können. Auch die wachsenden kirchlichen Vereine suchten nach einer Möglichkeit, ihre Aktivitäten an einem zentralen Ort durchführen zu können.

 

So entstand der Plan, ein kirchliches Gemeindehaus zu bauen. Pfarrer Franz Roters (1925 – 1935 Priester in Olfen) griff die Idee auf und schickte sofort Kinder durch den Ort, die mit Sammelbüchsen Spenden für das neu Haus sammeln sollten. Diese Sammlungen erbrachten allerdings nur geringe Beträge. Da der Pfarrer aber mit dem Bau nicht länger warten wollte, entschied er sich, einen Kredit aufzunehmen.

 

„Gemeindehaus St. Vitus e.V.“

Da weder der Kirchenvorstand noch die bischöflichen Behörden in Münster darüber erfreut waren und vor allem die Größe des geplanten Hauses beanstandeten, gründete Pfarrer Roters den Verein „Gemeindehaus St. Vitus e.V.“. Allerdings erschienen neben dem Pfarrer und dem Vikar nur 13 Personen zu Gründungsversammlung. Beitreten konnte jeder Katholik aus dem Amt Olfen, der bereit war, jährlich zwei Reichsmark Beitrag zu entrichten.

 

Finanzierung durch Kredite

90.000 Mark betrugen schließlich die Kredite, um die man bei kirchlichen Stellen und Olfener Bürgern angefragt hatte. Das Haus wurde somit fast vollständig durch Darlehen finanziert. Bereits im Herbst 1928 begannen die Ausschachtungsarbeiten durch ehrenamtliche Helfer. Die weiteren Arbeiten erledigten Olfener Handwerker. So konnte das Haus bereits im Oktober 1929 eingeweiht werden.

 

Den Namen „Leohaus“ erhielt es in Erinnerung an Papst Leo XIII. Pfarrer Roters war ein Anhänger dieses Papstes. Die Rückzahlung der Kredite und Zinsen stellte sich doch als recht schwierig heraus. Dazu trug auch die kurz nach der Einweihung beginnende Weltwirtschaftskriese bei, die auch in Olfen zu einer steigenden Arbeitslosigkeit führte.

 

Bettelgang durch die Gemeinde

Die Finanzielle Situation verbesserte sich erst nach dem Amtsantritt von Pfarrer Gerhard Harrier (Priester in Olfen 1936 – 58). Ein von ihm organisierter Bettelgang erbrachte immerhin die Summe von 20.000 Reichsmark. Endgültig geklärt wurde die Situation aber erst, als sich der Trägerverein auflöste und das Leohaus in den Besitz der Gemeinde St. Vitus überging.

 

„Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“

Mit Leben gefüllt wurde das Haus durch die Ordensschwestern der Kongregation der „Schwestern der Göttlichen Vorsehung“ aus Münster. Sie lebten im Leohaus und betrieben eine Handarbeitsschule und einen Kindergarten. Darüber hinaus nutzten zahlreiche Vereine das Haus für ihre Aktivitäten. Pfarrer Roters richtete sogar ein Kino im Leohaus ein, da ihm das Programm des 1930 in Olfen gegründeten Kinos nicht gefiel. Die hohen Leihgebühren für Filme sorgten jedoch dafür, dass es nur ein paar Mal genutzt wurde. 1932 entstand zudem ein Freizeitheim im Leohaus.

 

Die Kirche gibt das Leohaus auf

Über Jahrzehnte hinweg war das Leohaus nun der zentrale Treffpunkt der Kirchengemeinde sowie zahlreicher Vereine. Im Jahr 2006 gab dann allerdings die Kirchengemeinde bekannt, dass sie das Haus bis zum Jahr 2010 aufgeben wolle. Sinkende Kirchensteuereinnahmen veranlassten das Bistum Münster zu sparen. Diese Sparmaßnahmen betrafen auch die Olfener Gemeinde. 1.200 m² Fläche und 60.000 € Unterhaltskosten im Jahr waren zu viel. Die Gemeinde strebt nun an, in der Nähe der Kirche ein neues, kleineres Haus zu bauen.

 

Regionale 2016

Im Jahr 2009 reifte bei vielen Olfenern die Idee, das Leohaus als Haus für Olfener Vereine zu erhalten. Bürgermeister Josef Himmelmann war ein Ideengeber. Bei der Suche nach Möglichkeiten, das Haus zu erhalten, stieß man auf die Regionale 2016. Eine Bürgerstiftung gründete sich, die gemeinsam mit der Stadt das Leohaus erhalten wollte.

 

„Unser Leohaus“ wurde ein Projekt der Regionale 2016. Nachdem sich Stadt und Kirchengemeinde 2011 über die Zukunft des Leohauses einigten, konnte es losgehen. 2014 wurde schließlich das „Haus Katharina“ als neues Gemeindehaus eröffnet, der Weg zum Umbau des Leohauses war nun frei. Der Umbau konnte daher 2014 beginnen. Viele Ehrenamtliche brachten ihre Arbeit in die Umbauarbeiten ein.

 

Im Mai 2016 fand im Rahmen des Präsentationsjahres der Regionale die feierliche Wiedereröffnung statt. NRW-Bauminister Michael Groschek lobte dabei das Konzept und die Umsetzung des Projekts „Unser Leohaus“. Dauermieter zogen ein, darunter der Kitt, der Spielmannszug und die Schachfreunde. Die neue Gastronomie „Leo´s“ rundet das Angebot ab.

Ein Haus das allen Olfenern offen steht.

 

JLH