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Nachkriegszeit in Olfen


Peter Dördelmann und Bernhard Wilms ermitteln

RN-Foto: Wiese
RN-Foto: Wiese

04.02.12 - Ruhr Nachrichten

Karneval geht immer

Heimatverein berichtet über Nachkriegszeit

 

Kitt und Karneval - nicht wegzudenken aus Olfen. Selbst kurz nach dem Krieg wurde hier Fastnacht gefeiert. Nicht jedem gefiel das karnevalistische Treiben in schwierigen Zeiten. Wie die Olfener sich gegen diese Kritik wehrten und wie Bernard Holtmann tatsächlich in den Fokus der Gestapo geriet, haben Peter Dördelmann und Bernhard Wilms recherchiert.

 

Anlass für die Recherche des Arbeitskreises Geschichte des Heimatvereins war ein Vortrag bei der Gruppe 60+ im Januar. In Feinarbeit durchsuchten Dördelmann und Wilms Archive und Chroniken, sammelten Material über verschiedene Themen zusammen. Allein die Auszüge der Pfarrchronik St. Vitus von 1947 belegen, dass der Karneval fest zu Olfen gehört.

 

„Man bettelte so lange bei der englischen Militärbehörde, bis man für den öffentlichen Umzug am Nelkendienstag die Erlaubnis erhielt", berichtet Pfarrer Harrier in der Chronik. Ein Ärgernis sei die Fastnacht-Feier für jene Menschen gewesen, die nichts zum Anziehen und zum Essen hatten. Dennoch: „In den Wirtschaften ging es hoch her", heißt es in der Chronik. Als der Vikar am Fastensonntag Kritik an der Feier in diesen schwierigen Zeiten hinwies, sei er durch einen Anschlag an einem Baum auf dem Kirchplatz veralbert worden.

 

„Das muss man von zwei Seiten betrachten", sagt Bernhard Wilms. Die eine sei die des Pfarrers, die andere die der Bevölkerung, die froh war, wieder feiern zu können. Darunter seien auch Soldaten gewesen, die aus langer Gefangenschaft zurückgekehrt seien.

 

Heimatdichter Holtmann

Die Recherche Dördelmanns und Wilms brachte auch ein Stück mehr Licht in das Leben eines berühmten Olfeners, des Heimatdichters und Küsters Bernard Holtmann. Zusammen mit Pfarrer Harrier bekam Holtmann eine Vorladung der geheimen Staatspolizei. Der Grund: Ein Witz in einem Pfarrbrief an die Soldaten. Eine humoristische Anspielung Bernard Holtmanns über das Horst-Wessel-Lied, gefolgt von einem zweideutigen Gedicht.

 

Wilms hat damit die Texte gefunden, über die später zwar gesprochen wurde, die allerdings niemand kannte. Selbst die Kopie der Vorladung der Gestapo ist aufgetaucht. Darunter ein Vermerk, der laut Wilms bisher ebenfalls unbekannt war. Dort heißt es: „Nach dieser Vorladung die letzte Verwarnung: Wenn ihr euch noch mal hier blicken lasst, seid ihr reif!!!".

 

50 Hefte mit seinen Ergebnissen hat der Arbeitskreis drucken lassen. Alle seien mittlerweile verkauft. Ein Nachdruck ist aber möglich. Anfragen nimmt der Heimatverein entgegen.

Angela Wiese