Sie sind hier: Start - Arbeitskreise - Geschichte - Nationalsozialismus

Nationalsozialismus und Krieg in Olfen


Eine Vortragsreihe des Arbeitskreises Geschichte

Der Arbeitskreis Geschichte stellt in einer Reihe von vier Vorträgen

 

die Entstehung,

der Alltag des Nationalsozialismus

die Kriegszeit
das Kriegsende

 

in Olfen dar.
An Hand von Dokumenten und Aufzeichnungen von Zeitzeugen, aus dem Pfarr- und Stadtarchiv und ausgesuchten Farbfilmen wird über das Dritte Reich berichtet.


Die Entstehung des Nationalsozialismus in Olfen und Umgebung

Dr. H.-J. Smula
Dr. H.-J. Smula

Dr. Hans-Jürgen Smula referiert im Heimathaus Olfen

Über 80 Besucher hörten im überfüllten Saal dem Referenten Dr. Hans-Jürgen Smula gespannt zu. An Hand vieler Bilder und Daten erklärte er die psychologische Propaganda, mit der die NSDAP die Bevölkerung 'eroberte' und politische Feinde ausschaltete.

 

An Hand der Wahl-Daten von 1920 - 1933 im Kreis Lüdinghausen zeigte Dr. Hans-Jürgen Smula die Bewegungen und das Milieu der Wählerschichten in Olfen und Umgebung auf.
Bilder zeigten Hitler als geübten Redner.
Eine Tonaufzeichnung ließ die steigende Stimmung bei der Rede Joseph Goebbels unter dem Schlagwort 'Wollt ihr den totalen Krieg' miterleben.

 

In der anschließenden Diskussion berichtete Zeitzeuge Friedrich-Karl Bittner: `Ich war als HJ-Führer am 18.02.43 im Berliner Sportpalast auf der oberen Bühne eingeteilt. Uns wurden Zeichen gegeben, wann wir unsere Parolen schreien sollten. Auch im Spielfeld saßen nur ausgesuchte Parteifunktionäre und hochrangig dekorierte Soldaten und Offiziere.'


Alltag des Nationalsozialismus in Olfen

RN-Foto Pflips
RN-Foto Pflips

09.03.10 - Ruhr Nachrichten

Olfener blicken zurück

Amateurfilm zeigt die Anfänge des Nationalsozialismus in der Steverstadt




Der Amateurfilm vom Bürgerschützenfest 1936 war wohl der starke Magnet, der so viele Olfener ins Heimathaus zog.

 

Bernhard Wilms vom Geschichtskreis des Heimatvereins referierte über die Anfänge des Nationalsozialismus in Olfen und dokumentierte anhand verschiedener Auszüge aus Pfarr- und Stadtarchiv mit Film- und Fotomaterial über die Folgen. Unterstützt wurde er von Peter Dördelmann und Toni Kallhoff.

 

Dabei ging es um die Gründe für die Machtergreifung und um den Alltag im Nationalsozialismus. Wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, alte Bekannte und alte Stadtansichten wieder zu sehen? Die Besucher wurden immer dann lebendig, wenn sie den einen oder anderen Protagonisten im Film erkannten.

 

Anzeigen

Größtenteils vermied es Wilms, Namen zu nennen, doch ein Name hob sich besonders ab: Nachdem Bürgermeister Weckermann in den Ruhestand geschickt worden war, gelobte Ehrenbürgermeister Wilhelm Plücker „das Amt im Sinne unseres großen Führers zu verwalten". Der Mitbegründer der NSDAP-Ortsgruppe Olfen war von 1933 bis 1937 Ehrenbürgermeister und bis 1945 Bürgermeister.

 

Wenn es auch in Olfen seit 1929 keine Juden mehr gab, so gab es doch nach dem Ermächtigungsgesetz von 1933 Anzeigen gegen SPD- oder KPD-Mitglieder. Personen, die sich in Gesprächen gegen die Partei oder Hitler äußerten, wurden von Mitbürgern angezeigt und verhaftet. „Es gab mehrere Strafverfahren in Olfen wegen Äußerungen gegen die Partei," so Wilms. Auch der Heimatdichter Bernhard Holtmann wurde mit der Zensur belegt. Nachdem er sich erst positiv über die, Partei äußerte, erkannte er im Laufe der Zeit ihre wahren Absichten und stellte sich gegen diese Gesinnung. Für einige von ihnen setzte sich Plücker beim Landrat ein.

 

Parteigetreu wurden der Marktplatz in Hindenburgplatz, die Funnenkampstraße in Adolf-Hitler-Straße und die Oststraße in Horst-Wessel-Straße umbenannt. Ein großes Ereignis war der Besuch Hitlers beim 1. Arbeitsdienstlager in Olfen, das mit schwärmerischen und polemischen Worten in der örtlichen Presse beschrieben wurde. Nachdem jede aktive konfessionelle Jugendarbeit verboten worden war, lösten sich Kolping und Pfarrjugend auf. Auch die katholische Bibliothek und die Buchhandlung Buthmann wurden regelmäßig kontrolliert.

aps


Kriegszeit in Olfen

Unter anderem werden viele 'Original'-Zeitungsberichte aus der Zeit 1938 - 1940 gezeigt

21.04.10 - Heimathaus


Der Arbeitskreis Geschichte des Heimatvereins Olfen e.V. setzt im Heimathaus die Reihe ‚Nationalsozialismus in der Gemeinde Olfen’ fort.

Das Thema ‚Kriegszeit von 1939 – 1945 in Olfen’ wird behandelt.

Ein Farbfilm ‚Der 2. Weltkrieg’, Aufzeichnungen des Pfarrers Gerhard Harrier aus der Pfarrchronik St. Vitus, Dokumente aus dem Stadtarchiv Olfen und zahlreiche persönliche Erlebnisse aus diesen furchtbaren und turbulenten Kriegsjahren versprechen einen geschichtlich interessanten und aufschlussreichen Erlebnisabend.

 

Auch Nichtmitglieder und Jugendliche sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.


Kriegsende in Olfen

04.11.10 - Heimathaus

Es werden die Ereignisse der Kriegsjahre 1943 und 1944 behandelt.

 

Anhand von

     - farbigen Filmaufnahmen,

     - Aufzeichnungen des Pfarrers Gerhard Harrier,

     - Dokumenten aus den Stadt- und Pfarrarchiven und

     - persönlichen Erlebnissen Olfener Bürger

werden Not, Angst und Elend dieser schrecklichen Kriegsjahre anschaulich und plastisch dargestellt und erörtert.

 

Schwerpunkt an diesem Geschichtsabend wird das Thema ‚Hitlerjugend’ sein. Viele 16 - 18 jährige Hitlerjungen wurden zum Ende des Krieges noch als Soldaten eingezogen und als ‚Kanonenfutter’ nach dem Spruch Hitlers:

     Ihr seid geboren, um für Deutschland zu sterben!

sinnlos geopfert.

Zu diesem interessanten Geschichtsabend sind auch Nichtmitglieder des Heimatvereins und vor allem Jugendliche herzlich eingeladen.


der zum Bersten gefüllte Saal war ein Zeichen für das große Interesse

„Für mich war der Krieg das Normale"

Die Zeit des Nationalsozialismus in Olfen

Ruhr Nachrichten vom 17.01.11

 

OLFEN. „Ich kannte nur den Krieg. Manchmal sprachen die Leute von Friedenszeiten. Was mochte das sein? Für mich war Krieg das Normale, ich kannte nichts anderes", schreibt Dina Bergenthal.

 

Ihre Erinnerungen an die letzten Kriegstage als Fünfjährige auf dem Hof Schulze Althoff gehörten zu den Zeitzeugenberichten, die auf der letzten Veranstaltung des Heimatvereins zum Thema „Nationalsozialismus in Olfen" verlesen wurden. Noch andere Olfener Bürger, wie Josef Pellmann, kamen zu Wort, teils saßen sie jetzt in hohem Alter in den Reihen im Heimathaus.

 

Der Saal war zum Bersten gefüllt. Bernhard Wilms, Peter Dördelmann und Toni Kallhoff hatten für diesen Vortrag zum Kriegsende und dem Einmarsch der amerikanischen Truppen Ton-, Film-, Bild- und Pressematerial zusammengetragen. Heinrich Bünder berichtete in mehreren Abschnitten von seinen Erinnerungen als Schuljunge, beim Reicharbeitsdienst und als Soldat.

 

Das Schützenfest fiel aus

 

Als 13-Jähriger erlebte Bünder am 1. September 1939 die Mobilmachung. „Das war eine Woche vor dem Schützenfest - das fiel dann deswegen aus", notierte er. Seine Eltern dachten an ein schnelles Ende des Krieges. 1943 wurde Heinrich als 17-jähriger zusammen mit seinem Bruder Karl (Jahrgang 1928) zum Volkssturm gezogen. Mitte Juli bekam Bünder den Gestellungsbefehl, am 1. August 1943 in Coesfeld anzutreten. Nach der vierwöchigen Grundausbildung in Niederschlesien wurde er in Frankreich als Flak-Helfer an den Geschützen eingesetzt.

 

„Wir lösten die altgedienten Soldaten ab", erzählte Bünder. Er erlebte in Frankreich die Schrecken des Krieges. Von sterbenden Kameraden, mutwilligen Festnahmen der dortigen Bevölkerung bis hin zum eigenen Strafkommando wegen Nichtigkeiten. Nach mehreren Episoden kam er 1944 nach Lingen/Ems und wurde hier als Artillerist ausgebildet. Der Slogan „Du bis nichts, dein Volk ist alles" ist ihm bis heute im Gedächtnis geblieben.

 

Nach seiner Ausbildung zum Unteroffizier erhielt er den Marschbefehl an die Westfront, die bereits im Kölner Raum lag. Dort geriet er in Gefangenschaft. Im Auffanglager Gummersbach litten die Männer unter der mangelhaften Ernährung und Ungeziefer.

 

Nach sechs Tagen wechselte er ins Gefangenenlager Remagen. „Mehr als 3000 Gefangene sind gestorben", stellte er fest. Besonders der Hunger war groß. Ein Gedicht brachte es deutlich hervor: „Trockenes Brot schmeckt wie Torte". Heinrich Bünders Bruder Karl hat den Krieg nicht überlebt.
aps