Digitaler Stadtrundgang Olfen

Geburtshaus Dr. Franz Wiesmann

 

Franz Wiesmann wurde am 3. November 1800 in Olfen geboren.

Nach dem Studium der Medizin in Berlin und Bonn ließ er sich 1827 in seiner Geburtsstadt Olfen als praktischer Arzt nieder. In seinen ersten Berufsjahren war er Hausarzt des Staatsmannes Freiherr von Stein, bis dieser 1831 verstarb.

Nach dessen Tod ging Wiesmann 1832 nach Dülmen, wo er ein Jahr später zum Königlich Preußischen Kreisphysikus ernannt wurde. In Dülmen praktizierte er 50 Jahre als praktischer Arzt, Operateur und Geburtshelfer.

Zu seinen prominentesten Patienten gehörte Herzog Alfred von Croy, dessen Hofarzt Wiesmann war.

Dr. Wiesmann war und ist besonders für sein selbstloses Handeln bekannt. So war er tätig in der Armenfürsorge und war Mitbegründer und Wohltäter der 1848 eingeweihten Krankenheilanstalt Franz-Hospital, dem er zu seinem 50-jährigen Doktorjubiläum 500 Taler vermachte.

Neben seiner Tätigkeit als Arzt und Wohltäter war Wiesmann sehr geschichtsinteressiert und in mehreren gelehrten Gesellschaften tätig. Er schrieb einige Abhandlungen über die Dülmener Stadtgeschichte.

Am 16. August 1873 wurde er zum ersten Ehrenbürger Dülmens ernannt.

Am 5. April 1883 verstarb der Ehrenbürger Dr. Franz Wiesmann hochbetagt und wurde unter großer Teilnahme der Dülmener Bürger beerdigt.

 

aus der Stadtgeschichte der Stadt Dülmen - Ehrenbürger ► ...


Johann Heinrich Franz Wiesmann - Lebenslauf

Johann Heinrich Franz Wiesmann wurde am 23. November 1890 in Olfen, Marktplatz 56 (heute Marktplatz 4), geboren. Er besuchte die vier Volksschulklassen an der Wieschhofschule in Olfen, anschließend die Gymnasien in Recklinghausen und Münster. Hier bestand er 1819 die Abschlussprüfung, kurz bevor die noch heute gültige preußische Abiturienten-Prüfungsordnung eingeführt wurde.

Ostern 1820 ging Wiesmann zur Universität nach Bonn und promovierte am 16. August 1823 zum Doktor der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe. Seine Doktorarbeit wurde von der Medizinischen Fakultät zu Bonn preisgekrönt. Sie handelte über das Wiederanwachsen der vom Körper gänzlich getrennten Teile.

 

Ein Jahr war er als Assistenzarzt an der Klinik zu Bonn tätig, legte in Berlin seine Staatsprüfung als praktischer Arzt ab und ließ sich in Olfen in seinem Geburtshaus als praktischer Arzt nieder.

Minister Freiherr vom und zum Stein in Cappenberg wurde auf ihn aufmerksam und machte ihn zu seinem Leibarzt. Zwischen ihm und dem Minister entwickelte sich eine innige Freundschaft, die auch in persönliche Angelegenheiten reichte. Z. B. bestimmte Stein, dass er nach seinem Tod von Dr. Wiesmann einbalsamiert, mit eigenen Pferden nach Frücht gebracht und dort in der Familiengruft beigesetzt werden soll.

Am 1. Oktober 1833 wurde Wiesmann als Kreisphysikus des Kreises Coesfeld nach Dülmen versetzt. Hier wurde er auch Leibarzt des Herzogs von Croy. Im Jahre 1852 erhielt er den Titel Sanitätsrat.

1865 verlieh ihm der König den Roten-Adler-Orden 4. Klasse. Während des Feldzuges 1870/71 stellte er sich freiwillig zur Verfügung. Wegen seiner besonderen Pflege von Verwundeten und Kranken erhielt er den Kronenorden 4. Klasse und die Kriegsgedenkmünze. Bei der Einweihung der Denkmäler des Ministers vom und zum Stein in Nassau am 9. Juli 1872 und in Berlin am 26. Oktober 1875 war Wiesmann als letzter Arzt des Ministers als Ehrengast eingeladen. Kaiser Wilhelm I. verlieh ihm zu seinem 50-jährigen Doktorjubiläum am 16. August 1873 den geheimen Sanitätsrat. Die Medizinische Fakultät zu Bonn ehrte ihn durch die Erneuerung des Doktor Diploms.

 

Wiesmann war Mitglied gelehrter Gesellschaften und schrieb Abhandlungen auf medizinischen und wissenschaftlichen Fachgebieten. Im Jahre 1871 veröffentlichte Wiesmann die Zeitschrift ‚Lebensabend seiner Exzellenz des ehemaligen Königlichen Preußischen Staatsministers Karl Freiherr vom und zum Stein, gestorben zu Cappenberg, 29. Juni 1831‘ und im Jahre 1857 veröffentlichte er die Schrift ‚Lebensumriss des Ministers vom Stein‘. Hier schrieb er unter anderem: „Die ganze Umgebung Cappenberg verehrt ihn als ihren größten Wohltäter und unterstützenden Vater. Bei seinem Tode flossen zahllose Tränen des Dankes und der Liebe. Als Arzt der armen Kranken, die ich auf seine Anweisung behandelte, hörte ich eine solche allgemeine Wehklagen und so manche dankbare Träne über den Verlust dieses guten Mannes.“

 

23.02.21 - HPD


Daten

  23.11.1800   geboren in Olfen

            1819    Abitur

            1820    Assistenzarzt an der Uni Bonn

  16.08.1823   Berlin Staatsprüfung: Dr. Medizin, Chirurgie + Geburtshilfe

            1824    Klinik Bonn

            1827    Arzt in Olfen

                         Leibarzt bei Frh. vom Stein 

            1832    Umzug nach Dülmen

 01.10.1833    Kreisphysikus des Kreises Coesfeld

                         geschichtsinteressiert -> Dülmener Stadtgeschichte

            1852    Sanitätsrat

            1865    Roter-Adler-Orden 4. Klasse

      1870/71    Militär – Sanitäter

                         Kronenorden 4. Klasse + Kriegsgedenkmünze

 16.08.1873   50jähriges Doktor-Diplom

                        geheimer Sanitätsrat

                        erster Ehrenbürger der Stadt Dülmen

 05.04.1883  gestorben

 

Geburtshaus:  Dr. Wiesmann, Marktplatz 56

später:             Kino Nölke, Marktplatz 4

aktuell:            verkauft an die Stadt Olfen

Planung:          Abriss des Gebäudes - Neubau eines Hotels

23.02.21