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Heimatdichter Bernhard Holtmann


Bernhard Holtmann
* 27.04.1873  +29.06.1947

 

Durch seine - vor allem plattdeutschen Gedichte und Erzählungen - ist Bernhard Holtmann weit über die Grenzen seines Geburtsortes und der Heimatstadt Offen bekannt geworden.

Nicht von ungefähr hat man nach ihm in seinem Geburtsort Laer und in Olfen eine Straße benannt.

Bernhard Holtmann wurde am 27. April 1873 in Laer, Krs. Burgsteinfurt, geboren. Als ältester Sohn sollte er - wie sein Vater - das Schuhmacherhandwerk erlernen.

 

Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik. Er verzichtete auf sein Erbe und legte an der Kirchenmusikschule zu Münster (neben seinem erlernten Beruf als Schuhmacher) seine Prüfung als Küster und Organist ab.

Er diente als Stabstrompeter beim ersten Garderegiment zu Fuß in Potsdam („Die langen Kerls"). Mit 1,84 m gehörte er zu den Kleinsten.

Anschließend, nach kurzer Tätigkeit in Asperden, bewarb er sich um die freigewordene Stelle in Olfen. Er wurde am 1.1.1898 in Olfen als Küster und Organist angestellt. Vier Jahrzehnte wirkte er als Küster und Organist, Musiklehrer und Chorleiter des Kirchenchores und des Männergesangvereins „Harmonia". Außerdem war er Leiter des Gemeinnützigen Vereins.

Unter seiner Regie fanden viele Aufführungen statt, z. B. Elmar (1902), Eroberung von Babington (1903), Juda (1907), Alt Heidelberg (1922), Freischütz (1925), Preziosa (1924).

 

Postkarte von Dr. Wibbelt v. 22.12.15
Postkarte von Dr. Wibbelt v. 22.12.15

Neben seinem Beruf widmete er sich besonders der schriftstellerischen Arbeit.


Seine ersten Versuche - Gedichte und Erzählungen - schickte er Dr. Augustin Wibbelt zu, der seinem ersten Buch „Von't Mönsterland in'n Unnerstand" (1914) weite Verbreitung wünschte (Original der Karte von Dr. Wibbelt in Privatbesitz Wilhelm Holtmann).

Es folgten weitere Gedichte und Geschichten in dem Bändchen „Up Fieeraowend bi Floßkamp's Vader" (1929) und „O Mönsterland min Heimatland". Auch in der Heimatzeitung und im Heimatkalender des Kreises Lüdinghausen veröffentlichte er Gedichte und Erzählungen.

Aber nicht nur schriftstellerisch hat sich Bernhard Holtmann betätigt. Er komponierte für den Chor das Weihnachtsevangelium, Lieder zur Kinderkommunion, Primiz, zum Bischofsempfang u. a.

Für den Krieg wurde gesammelt. Holtmann schrieb dazu ein Gedicht, das in der Lüdinghauser Zeitung am 28.03.1916 erschien.

 

Hurra! Hurra! Habt ihr gehört und gelesen? Was haben wir Deutschen doch ein Geld. So 10 Milliarden, weit drüber, haben blank wir auf den Tisch gezählt. Auf 10 Milliarden Kriegsanleihe, wer macht uns Deutschen das wohl nach? Bei unseren Feinden, man kanns merken, da geht die Pumpe schon etwas schwerer. Die gehen bald hier bald da zu betteln, gewöhnlich ist niemand zu Hause. Auch 'Onkel Sam', soll er was pumpen, zieht seine Stirn verdächtig kraus. Gott dank, wir können uns selber helfen, ja, selbst ist immer noch der Mann. Wer sich auf andere verlassen muss, der ist heute übel dran. Wir haben viel Geld und haben Soldaten, das hilft uns schließlich übern Zaun. Und eins, das will ich nicht vergessen, wir haben auch das meiste - Gottvertrauen.

B.H., Olfen

Im Jahre 1936 wurde ihm als ehemaligem Zentrumsabgeordneten, der sich weigerte, der NSDAP beizutreten, die schriftstellerische Lizenz entzogen. „Wegen politischer Unzuverlässigkeit“ hieß es in dem Schreiben, „ausgeschlossen aus der Reichsschrifttumskammer“. Seine Gedichte und Geschichten durften nicht mehr veröffentlicht werden. In den Buchhandlungen wurden seine Bücher konfisziert.

Während des Krieges 1939 - 1945 gaben der damalige Pfarrer Gerhard Harrier und Holtmann an alle Olfener Soldaten „Pfarrbriefe“ heraus. Die heimatliche Verbundenheit mit den Männern an der Front sollte aufrecht erhalten bleiben, um damit zu sagen: „Wie weit Ihr auch seid, Ihr seid nicht allein. Wir denken an Euch allezeit.“


Durch eine humorvolle Einlage - die Holtmann wie immer brachte - wurde die Gestapo auf die Pfarrbriefe aufmerksam (politische Witze galten als Wehrkraftzersetzung). Zweimal wurden Pfarrer Gerhard Harrier und Bernhard Holtmann zur Gestapo nach Münster zitiert. Bei einer Ortsprüfung beider Arbeitszimmer wurden Vervielfältigungsgerät, Schreibmaschine, Akten und Briefe beschlagnahmt.

 

Bei Kriegsende war die Schaffenskraft Holtmanns gebrochen. Einerseits durch die Demütigungen unter dem NS-Regime aber auch durch eine unheilbare Krankheit.

 

Eine eindringliche Mahnung zum Frieden ist sein letztes Gedicht, das er, schon vom Tode gezeichnet, Weihnachten 1946 schrieb.

 

Am 29. Juni 1947 starb Holtmann. Sein Leben war erloschen, nicht aber seine Gedichte und Erzählungen, die in der plattdeutschen Mundart des Münsterlandes allen, die die Heimat lieben, unvergessen bleiben.

Bernhard Wilms

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