Heimatdichter Bernhard Holtmann


Foto: Bernhard Holtmann

Bernhard Holtmann
* 27.04.1873  +29.06.1947

 

Durch seine vor allem plattdeutschen Gedichte und Erzählungen ist Bernhard Holtmann weit über die Grenzen seines Geburtsortes und der Heimatstadt Olfen bekannt geworden.

Nicht von ungefähr hat man nach ihm in seinem Geburtsort Laer und in Olfen eine Straße benannt.

Bernhard Holtmann wurde am 27. April 1873 in Laer, Krs. Burgsteinfurt, geboren. Als ältester Sohn sollte er - wie sein Vater - das Schuhmacherhandwerk erlernen.

 

Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik. Er verzichtete auf sein Erbe und legte an der Kirchenmusikschule zu Münster (neben seinem erlernten Beruf als Schuhmacher) seine Prüfung als Küster und Organist ab.
Von 1893 ... 1895 war er in Asperden (bei Goch) als Küster und Organist tätig. Der Pfarrer bescheinigte ihm in seinem Zeugnis “gute Leistungen” und “Fleiß, Strebsamkeit und soliden Lebenswandel”.

Vom 18. 10. 1895 ... 20. 09. 1897 hat Bernhard Holtmann in der “7. Kompagnie” des “Ersten Garderegiments zu Fuß” gedient. Der “Compagnie-Chef” bescheinigte dem “Gefreiten (Hornist) Bernhard Heinrich Holtmann” im “Führungszeugniß”, er habe “sich während dieser Dienstzeit sehr gut geführt”. Mit dem ersten Aufstiegsgrad des einfachen Soldaten, dem Dienstgrad eines “Gefreiten”,  wird er mit der Dienststellung eines “Hornisten” in der Regimentskapelle gespielt und bei militärischen Übungen Befehle “musikalisch” übermittelt haben. 


Danach bewarb er sich um die freigewordene Stelle in Olfen. Er wurde am 1.1.1898 in Olfen als Küster und Organist angestellt, wo er auch als Musiklehrer und Chorleiter des Kirchenchores und des Männergesangvereins “Harmonia” wirkte. Er leitete auch den “Gemeinnützigen Verein”.
Unter seiner Regie fanden viele Aufführungen statt, z. B. Elmar (1902), Eroberung von Babington (1903), Juda (1907), Alt Heidelberg (1922), Freischütz (1925), Preziosa (1924).

 

Postkarte von Dr. Wibbelt v. 22.12.15
Postkarte von Dr. Wibbelt v. 22.12.15

Neben seinem Beruf widmete er sich besonders der schriftstellerischen Arbeit.

Seine ersten Versuche - Gedichte und Erzählungen - schickte er Dr. Augustin Wibbelt zu, der seinem Buch  “Trü un Graut in Naut un Daut" weite Verbreitung wünschte (Original der Karte von Dr. Wibbelt vom 22.12.1915 in Privatbesitz Wilhelm Holtmann).
Es folgten weitere Gedichte und Geschichten in dem Bändchen „Up Fieeraowend bi Floßkamp's Vader" (1929) und „O Mönsterland min Heimatland". Auch in der Heimatzeitung und im Heimatkalender des Kreises Lüdinghausen veröffentlichte er Gedichte und Erzählungen.

Aber nicht nur schriftstellerisch hat sich Bernhard Holtmann betätigt. Er komponierte für den Chor das Weihnachtsevangelium, Lieder zur Kinderkommunion, Primiz, zum Bischofsempfang u. a.

 


Ende 1915 veröffentlichte Bernhard Holtmann bei Rademann in Lüdinghausen wohl seine ersten Texte in gebundener Form. Es waren “Kriegsgedichte un Geschichten in mönsterlänsk Platt”, zusammengestellt unter dem Titel ”Trü un Graut in Naut un Daut”. Er schickte ein Exemplar an den schon erfolgreichen Pfarrer und plattdeutschen Autor Dr. Augustin Wibbelt, der dem “Büchlein” (96 Seiten) “weite Verbreitung” wünschte.
Der Küster Bernhard Holtmann nahm den Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) nicht anders wahr als die weitaus meisten deutschen katholischen Bischöfe, (Theologie-) Professoren, Gemeindepriester und Laien. Sie erlebten und verstanden diesen Krieg (zunächst) als einen gerechten gottgefälligen Verteidigungskrieg. “Gott mit uns” war die selbstverständliche preußisch-deutsche Losung auf dem Koppelschloss der Soldaten. Bernhard Holtmann warb in seinem “Büchlein” für die “Dritte Kriegsanleihe” vom Herbst 1915 (“Man krig sogar noch fief Prozent”).
In der Lüdinghauser Zeitung  vom 28. März 1916 hat er deren Erfolg mit einem Gedicht gewürdigt   -   und auf`s deutsche Gottvertrauen verwiesen.

Das Gottvertrauen hat Bernhard Holtmann auch nach dem Ende des verlorenen Krieges nicht aufgegeben. Darin aufgehoben sind seine plattdeutschen oft humoristischen Gedichte und Geschichten, die er zwischen den beiden Weltkriegen geschrieben hat. Sie haben nach 1945 in einem Sammelband (“O Mönsterland  Min Heimatland”) in mehreren Auflagen weite Verbreitung gefunden. Sie begründen sein Ansehen und machen den Wert der Erinnerung an ihn aus.
Die vierte Strophe des titelgebenden Gedichts (“O Mönsterland, min Heimatland”) enthält die Bezugsgrößen seines Schreibens und Wirkens:

“Dat is min leiwe Mönsterland,

Wao Glauben gelt un Recht;

Wao nao vör ussen Hiärguott kneiht

De Büörger, Bur un Knecht.

Bi us dao gelt:`En Mann, en Waort!`

Un wat wi seggt is waohr;

In Naut un Daut staoh wi getrü

To Heimat un Altaor.”

 

Antonius Holtmann

Für den Krieg wurde gesammelt. Holtmann schrieb dazu ein Gedicht, das in der Lüdinghauser Zeitung am 28.03.1916 erschien.

 

Hurra! Hurra! Habt ihr gehört und gelesen? Was haben wir Deutschen doch ein Geld. So 10 Milliarden, weit drüber, haben blank wir auf den Tisch gezählt. Auf 10 Milliarden Kriegsanleihe, wer macht uns Deutschen das wohl nach? Bei unseren Feinden, man kanns merken, da geht die Pumpe schon etwas schwerer. Die gehen bald hier bald da zu betteln, gewöhnlich ist niemand zu Hause. Auch 'Onkel Sam', soll er was pumpen, zieht seine Stirn verdächtig kraus. Gott dank, wir können uns selber helfen, ja, selbst ist immer noch der Mann. Wer sich auf andere verlassen muss, der ist heute übel dran. Wir haben viel Geld und haben Soldaten, das hilft uns schließlich übern Zaun. Und eins, das will ich nicht vergessen, wir haben auch das meiste - Gottvertrauen.

B.H., Olfen

Im Jahre 1936 wurde ihm als ehemaligem Zentrumsabgeordneten, der sich weigerte, der NSDAP beizutreten, die schriftstellerische Lizenz entzogen. „Wegen politischer Unzuverlässigkeit“ hieß es in dem Schreiben, „ausgeschlossen aus der Reichsschrifttumskammer“. Seine Gedichte und Geschichten durften nicht mehr veröffentlicht werden. In den Buchhandlungen wurden seine Bücher konfisziert.

Während des Krieges 1939 - 1945 gaben der damalige Pfarrer Gerhard Harrier und Holtmann an alle Olfener Soldaten „Pfarrbriefe“ heraus. Die heimatliche Verbundenheit mit den Männern an der Front sollte aufrecht erhalten bleiben, um damit zu sagen: „Wie weit Ihr auch seid, Ihr seid nicht allein. Wir denken an Euch allezeit.“

 

Durch eine humorvolle Einlage - die Holtmann wie immer brachte - wurde die Gestapo auf die Pfarrbriefe aufmerksam (politische Witze galten als Wehrkraftzersetzung). Zweimal wurden Pfarrer Gerhard Harrier und Bernhard Holtmann zur Gestapo nach Münster zitiert. Bei einer Ortsprüfung beider Arbeitszimmer wurden Vervielfältigungsgerät, Schreibmaschine, Akten und Briefe beschlagnahmt.

 

Bei Kriegsende war die Schaffenskraft Holtmanns gebrochen. Einerseits durch die Demütigungen unter dem NS-Regime aber auch durch eine unheilbare Krankheit.

 

Eine eindringliche Mahnung zum Frieden ist sein letztes Gedicht, das er, schon vom Tode gezeichnet, Weihnachten 1946 schrieb.

 

Am 29. Juni 1947 starb Holtmann. Sein Leben war erloschen, nicht aber seine Gedichte und Erzählungen, die in der plattdeutschen Mundart des Münsterlandes allen, die die Heimat lieben, unvergessen bleiben.

Bernhard Wilms


Statue Heimatdichter Bernhard Holtmann, Bilholtstr. Olfen - Foto: HPD
die damals noch lebenden Töchter, vlnr: Hedwig, Agnes und Elisabeth (Schwester Maria Clothilde) vor dem Standbild - Foto:  Antonius Holtmann

Der Heimatverein Olfen ehrte im Jahre 1994 den Heimatdichter mit einem Denkmal, das Britta Eilering geschaffen hat. Drei seiner acht Kinder konnten noch an der Feierstunde teilnehmen:  vlnr:  Hedwig, 1920 ... 2005; Agnes, 1909 ... 1999; Elisabeth (Schwester Maria Clotild), 1911 ... 2003.


Dokumente von Bernhard Holtmann

Familienbilder

Gedichte