Digitaler Stadtrundgang Olfen

Haus Füchteln

Haus Füchteln, als es noch bewohnt war. Doch bevor es 2021 von der Stadt Olfen verkauft wurde, war es 12 Jahre unbewohnt.
Haus Füchteln, als es noch bewohnt war. Doch bevor es 2021 von der Stadt Olfen verkauft wurde, war es 12 Jahre unbewohnt.


Das Haus Füchteln, einst mächtiger Herrensitz der Ritter von Kukelshem, ist seit 2021 im Privatbesitz der Familie Dr. Andrea Melcheier mit ihren Kindern Katharina + Stephan Droste. Sie wollen das geschichtsträchtige  Gebäude in Kökelsum denkmalgerecht wieder herrichten. Es war seit 2009 unbewohnt und entsprechend stark heruntergekommen.

Haus Füchteln entstand aus einer Wasserburg. Die Ritter von Kukelshem werden 1267 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und hatten das Haus Füchteln als Vasallen des Bischofs von Münster als Lehen. Das Gut wurde zeitweise gemeinsam mit dem Gräftenhof Haus Rönhagen bewirtschaftet. In der Blütezeit war Haus Füchteln ein mächtiger Gutshof mit einer symmetrischen Gebäudeanordnung.

 

Der Kern der Gebäude geht zurück auf das 16. Jahrhundert, in dem die zwei parallelen Nebengebäude errichtet wurden, von denen das nördliche später zum Wohnhaus ausgebaut wurde. An dessen Standort befindet sich das heutige Wohngebäude, das von Haus Füchteln noch übriggeblieben ist.

 

Zwei große Stallgebäude kamen 1709 und 1711 zu der Anlage hinzu und wurden seitlich versetzt vor die älteren Hofgebäude errichtet, so dass eine platzartige Aufweitung in Verlängerung der zentralen Wegeachse entstand, die dem Gut eine ebenso erhabene wie mächtige Erscheinung verlieh.

 

Im 18. Jahrhundert folgte dann jedoch der Konkurs. Unter Wilhelm Otte v. Wulf versanken die Güter Füchteln, Rönhagen, Berge und Belmede in großen Schulden, und es kam zu einer Zersplitterung des Besitzes. Es dauerte über 60 Jahre, bis 1839 die Grafen von Korff, genannt Schmiesing, die ihren Stammsitz in Tatenhausen im westfälischen Halle hatten, die Güter Füchteln und Rönhagen erwarben und wieder unter eine gemeinsame Führung stellten.

 

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Haus Füchteln als landwirtschaftliches Gut verpachtet: Die Familie Löfken bewirtschaftete das 620 Morgen große Gut nahezu 50 Jahren, bis 1950 Albert Löfken nach Münster.

 

Das Haupthaus steht als zweigeschossiger Massivbau mit Werksteinrahmung an Fenstern und Türen unter Denkmalschutz. Die großen Ziegelsteinscheunen wurden über längere Zeit als Bauhof der Stadt Olfen genutzt und schließlich abgebrochen. Heute entsteht hier ein modernes Baugebiet. 

 

Überraschend: die Füchtelner Mühle liegt etwas flussabwärts, gehörte aber zum Haus Füchteln. Die längst verschwundene Mühle an der Burganlage diente den Bewohnern der Burg Füchteln. Zur Burg Füchteln kam man über die äußere Gräfte, auf der das Torhaus stand. Der Vorplatz der Burg  war von Wirtschaftsgebäuden umschlossen.

 

Die Herkunft des Namens ‚Hus ton Füchteln‘ ist von ‚Haus an den Fichten‘ oder am ‚Fichtenwald‘ abgeleitet.  

Der Name Kukelshelm (Kökelsum) ist abgeleitet von Kukel, dem Kosenamen des altsächsischen Eigennamens Kuko und Hem = Heim. Ziemlich zweifellos ist Füchteln der Stammsitz des Rittergeschlechtes v. Kukelshem, von dem sich in Schwieters ‚Geschichtlichen Nachrichten’ aus alter Zeit folgende Angaben finden:

 

Im Jahre 1267 verkauft Mathildis, Schwester des Ritters Konrad v. Kukelshem, den Hof Dalekamp Kirchspiel Bork an Bernhard Kustos zu Kappenberg.

 

1334 verpflichteten sich die Ritter Heinrich v. Kukelshelm der Stadt Coesfeld auf Lebenszeit Dienste zu leisten und auf Anforderung alle 14 Tage mit zwölf Reisigen zu erscheinen, um zur Deckung von Warentransporten der dortigen Kaufleute Schutz zu geben. Die Bauernschaft Kökelsum bildete damals einen besonderen Gerichtsbyfang, der zum Haus Füchteln gehörte. 

 

1353 ist Heinrich von Kukelshem, 1370 Dietrich von Kukelshem, Freigraf zu Senden, Burgmann zu Haus Rechede. Die Bauernschaft Kökelsum bildete bis zum 17. Jahrhundert einen besonderen Gerichtsbeifang, der wahrscheinlich dem Hause Füchteln zugeteilt war.

 

1362 kam das Haus Füchteln durch Kauf in den Besitz des Heidenrich Wulf gen. Lüdinghausen vom Wulfsberg, eines Seitensprossen des alten Rittergeschlechtes von Lüdinghausen. Die v. Wulf zu Füchteln führten als Wappen 3 rote Balken in Silber, darüber einen blauen, goldgekrönten Löwen. Das Wappen fand sich u.a. in einer alten Truhenfüllung, die etwa 1920 aus Privatbesitz in das Gewerbemuseum in Coesfeld überführt wurde.

 

1443 geriet der Sohn von Hinrich Wulf in einen Streit mit dem Grafen von Bentheim wegen des Hofes Schapdetten. Er strengte gegen den Grafen einen Prozess an. Sein Enkel Bernard besetzten den wüst gewordenen Hof. Als Graf Everwin von Benthof hiergegen einschritt, überfiel Bernard v. Wulf mit 40 Knechten und seinem Bruder Friedrich den Hof, nahm 3 Männer gefangen und entführte 20 Pferde nach Füchteln.

 

1454 standen Frederik und Dirik von Wulf sowie Jaspar und Heinrich Droste Vischering mit fünf anderen Rittern, die alle zu Joh. von Hona hielten, in Fehde mit G. von Morrien, als Freund des Bischofs Walram.

 

1485 hatte Dirik Zwistigkeiten mit dem Erbmarschall zu Nordkirchen. Er hatte nämlich über diesen im Bierhause zu Olfen in beleidigender Weise gesprochen. Er habe seinem Vater und ihm ohne Ansage der Fehde heimlich nachts Gut genommen und Leute abgefangen. Daraufhin ließ v. Morrien dem v. Wulf alle seine Güter im Kirchspiel Werne gerichtlich mit Beschlag belegen.

 

1486 kam am Freitag nach Iaetare auf einem Tag im Hofsaal zu Münster eine Aussöhnung zustande. Die Freundschaft wurde noch befestigt durch eine Verlobung, die der Sohn des Marschalls Sander v. Morrien mit der Tochter Diriks, Frederne v. Wulf, im Jahr darauf schloss.

 

1490 wurde Bernard v. Wulf Herr zu Füchteln. Er ist der Verfasser einer 10 Folienseiten umfassenden Familienchronik deren v. Wulf, von der sich eine Abschrift im Lüdinghauser Stadtarchiv befindet. Die in niederdeutscher Sprache geschriebene Chronik erzählt von seinem Stammherrn, Bernard von Lüdinghausen, der etwa 1230 - 1300 lebte. Seine Mutter, einer geborenen von Arrem, starb bei seiner Frühgeburt. Er sei durch fünf täglich geschlachteten Schafen die ganze Fastenzeit hindurch bis Palmsonntag am Leben erhalten worden. Als der Koch bemerkt habe „dat kind vrett so viele schape, dat mochte wol enn wulf wesen“, habe der Vater geantwortet: „dis namens sall he geneten, wulf soll he heten“. Dieser Sohn sei dann später Bernard Wulf genannt worden.

Verzeichnet ist auch die Gründung der 4 Linien des Geschlechtes: Hovestadt, Füchten, Füchteln und Wulfsberg.

 

1535 im Kriege gegen die Wiedertäufer diente Bernard v. Wulf mit 4 Pferden unter dem Rittmeister Bd. v. Westerholt. Er zahlte zu der ausgeschriebenen Kriegssteuer 100 Goldgulden.

 

1555 wurde sein Sohn Heinrich Erbe zu Füchteln, der Agnes v. Büren zu Davensberg verheiratete. Frau Agnes starb 1604 als Witwe. Ihr Sohn Bernard, * 1557, trat zum Protestantismus über und heiratete Agnes v. Meinhövel, die wahrscheinlich gleichfalls protestantisch war, da der Vater lebhaft der Neuerung zuneigte. Die Braut brachte 9.000 Thaler nebst Kleider und Kleinodien in die Ehe. Die Ehe blieb kinderlos.

 

1613 heiratete Bernard v. Wulf heiratete in zweiter Ehe Anna von Schrünkede, die ihm 11 Kinder gebar. Ein Sohn Dietrich erbte Füchteln. Er war verheiratet mit Christina Elis. v. Medevort zu Berge bei Bork, Erbin des Gutes Berge.

 

1685 folgte sein Sohn Franz Wilhelm, angeblich ein sehr gelehrter Mann.

 

1701 folgte der Bruder Bernard Heinrich als Herr zu Füchteln-Berge, verheiratet mit Gertrud v. Diepenbrock, Buldern. Er starb 1732. Seine Söhne waren F.H. Georg, Regierungsrat in Kassel und Arnold, Offizier in dem Regiment des Prinzen v. Anhalt-Dessau. Der Sohn Georgs, Wilhelm Otto v. Wulf, * 1743, wurde Herr zu Füchteln, Berge und Velmede.

 

1761 gingen die Güter gingen wegen großer Schulden in Konkurs.

 

1820 war das Konkursverfahren nicht beendet. 60 Gläubiger wurden abgewiesen, weil sie sich nicht rechtzeitig gemeldet hatten.

F.H. Georg v. Wulf und seine verwitwete Mutter hatten 1750 von der Pastorat in Olfen 500 Thaler aufgenommen. Dazu kamen bis 1820 1.960 Thaler nicht bezahlte Zinsen. Auf diese Forderung von 2.460 Thalern entfielen aus der Konkursmasse 411 Thaler und nach Abzug von 228 Thalern Kosten noch ganze 183 Thaler.

Das Haus Füchteln wurde von Dr. Driver gekauft.

 

1839 kam nach einem Zwischenkauf des Freiherrn von Bodenschwingh zu Sandfort Füchteln nebst der Mühle und dem Gut Rönhagen durch Kauf an den Grafen von Schmiesing, als dieser Landrat des Kreises Lüdinghausen wurde. Besitzer war die zu Tatenhausen bei Halle (Westf.) angesessenen Familie.