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Spartakistengräber

Die Spartakistengräber an der Eversumer Str.
Die Spartakistengräber an der Eversumer Str.

 

Die Spartakistengräber an der Eversumer Straße

In Olfen-Eversum befinden sich zwei besondere Grabdenkmäler. Hier wurden in den Wirren nach dem Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 acht Kommunisten erschossen und vergraben.

 

Der rechtsgerichtete Kapp-Lüttwitz-Putsch stellte die junge Weimarer Republik in der Nacht vom 12. auf den 13. März 1920 vor eine erste Bewährungsprobe. Freikorps besetzten unter der Führung von General von Lüttwitz das Berliner Regierungsviertel und ernannten den ehemaligen preußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Linke Kräfte riefen daraufhin zum Generalstreik auf. Der Putsch scheiterte rasch, nicht zuletzt an der Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten.

 

Dennoch waren die Auswirkungen des Kapp-Putsches auch im Münsterland und in Olfen zu spüren. Radikalisierte Arbeiter bildeten im nahen Ruhrgebiet die Rote Ruhrarmee. Am 26. März 1920 überquerten schließlich vier Lastwagen der Roten Ruhrarmee aus Datteln kommend die Lippe und besetzten Olfen. Alle Häuser wurden nach Waffen durchsucht, wichtige Gebäude besetzt und ein neuer Bürgermeister ernannt.

 

Die Besetzung Olfens durch die Rote Ruhrarmee dauerte ca. eine Woche. Am Karsamstag 1920 rückten Einheiten der Reichswehr aus Münster kommend in Olfen ein. Bei den Kämpfen kamen sowohl einige Kämpfer der Roten Ruhrarmee als auch der Reichswehr ums Leben. Im Bereich Olfen-Eversum trafen aus Seppenrade vorrückende Reichswehreinheiten auf acht versprengte Mitglieder der Roten Ruhrarmee, die sich nicht rechtzeitig mit der Fähre über die Lippe in Richtung Ahsen hatten absetzen können. Bei dem folgenden Feuergefecht wurde ein Soldat der Reichswehr erschossen. Die acht Kämpfer der Roten Ruhrarmee wurden daraufhin aus Rache, obwohl sie sich bereits ergeben hatten und ohne Standgericht, an Ort und Stelle erschossen. Anschließend wurden die acht Todesopfer dortselbst in zwei Gräbern vergraben. Auch bei den Kämpfen an der Lippebrücke nach Datteln wurden einige Kämpfer der Roten Ruhrarmee erschossen. Einer dieser Kämpfer wurde sang- und klanglos auf dem Olfener Friedhof begraben.

 

Die sofortige Beisetzung der in Eversum Erschossenen am Ort des Geschehens wurde durch Zeugen bestätigt. Am 5. Mai 1920 gab eine Frau aus Marl zu Protokoll, dass ihr Mann, ein am 6. Juli 1883 in Schleim in Posen geborener Bergmann, eines der Opfer gewesen sei. Dieser habe sich als Rotgardist vom 28. März bis zum Eintreffen der Reichswehr am 2. April 1920 in Ahsen an der Lippe aufgehalten. Am 2. April sei er dann von vorrückenden Truppen in einem Wald in Eversum erschossen worden, nachdem diese ihn in Ahsen festgenommen und über die Lippe nach Olfen-Eversum gebracht hätten. Ein Einwohner aus Eversum, dessen Name ihr nicht bekannt sei, habe ihr gegenüber geäußert, dass ihr Mann dort bestimmt erschossen und begraben sei. Die Witwe legte zudem eine genaue Personenbeschreibung ihres Mannes ab und reichte ein Foto von ihm ein.

 

Auch ein Arbeitskollege des erschossenen Bergmanns, ebenfalls wohnhaft in Marl, machte eine Aussage. Er erklärte, er habe einem Mann aus Eversum seinen Arbeitskollegen genau beschrieben und darauf die Antwort erhalten, dass dieser tatsächlich in Eversum erschossen und beerdigt worden sei. Auf Grund einer Narbe am Hinterkopf des Erschossenen habe der alte Mann aus Eversum seinen Kollegen wirklich erkannt. Er beendete seine Schilderung mit folgender Aussage: Der alte Mann aus Eversum hat auch die gefallenen Rotgardisten – im ganzen acht Mann – im Wald dortselbst beerdigt.

 

Erst einige Zeit später errichteten Kommunisten an diesem Ort zwei Denkmäler. Bis zum Beginn der NS-Herrschaft kamen dann regelmäßig um die Ostertage Kommunisten an diesen Gedenksteinen in Olfen zusammen, um an die Erschossenen zu erinnern, Kränze niederzulegen und Ansprachen zu halten.

 

Auch nach dem Krieg soll es hier wieder für einige Jahre Gedenkveranstaltungen gegeben haben, wie der Zeitzeuge Heinrich Tembaak aus Olfen-Eversum berichtet. Die beiden Grabdenkmäler seien mit Inschriften versehen gewesen, die nach 1933 auf behördliche Anordnung durch einen Polizeiwachtmeister entfernt bzw. mit Mörtel zugeschmiert worden seien. Folgende zwei Inschriften hätten auf den Tafeln gestanden:

Wanderer, wenn Du vorüber gehst, gedenke unser, weil wir für Dich gefallen. März 1920

Wir kämpften für Euch und fanden den Tod. März 1920.

 

Nach dem Krieg waren die Gedenktafeln zunächst wieder aufgetaucht, später allerdings durch Grabfrevler zerstört worden.

 

Im wesentlichem stimmt diese Beschreibung mit einem Bericht des Olfener Bürgermeisters Plücker aus dem Jahr 1935 überein. Auf Grund einer Verfügung vom 30. Januar 1935 betreffend Kommunistische Massen- und Einzelgräber meldete Plücker die Existenz der Gräber dem Landrat in Lüdinghausen. Er berichtete:

In den Eversummer Waldungen befinden sich in der Nähe des Bauern Stork-Heinrichsbauer zwei kommunistische Massengräber. Die Inschrift des am Hullerner Weg gelegenen Grabsteins ist unleserlich gemacht. Der am alten Mühlenweg gelegene Grabstein trägt auf rauhem Untergrund die Inschrift „Wir kämpften für euch und fanden den Tod“. Ferner ist Hammer und Sichel eingehauen.

Auf dem Olfener Friedhof sind keine der oben bezeichneten Gräber vorhanden.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste eines der Denkmäler im Zuge des Ausbaus der neuen Hullerner Straße versetzt werden, weil es ansonsten im Seitenstreifen gestanden hätte. Es wurde an seine heutige Stelle neben das zweite Denkmal an den Rand eines Wanderweges versetzt. Die Lage der Gräber wurde allerdings nicht verändert.

 

Heute befinden sich auf den Grabdenkmälern neuere Erinnerungstafeln mit folgender Inschrift:

Gefallen im Kampf für das Volk und die Freiheit. März 1920.

 

Im Jahr 2006 wurden die beiden im Laufe der Zeit stark verwitterten Denkmäler durch Mitglieder des Olfener Heimatvereins in einen ordentlichen Zustand versetzt.

 

JLH

 

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