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Spartakisten versuchten Machtübernahme


1920 - Die 'Ruhrrevolution' ergriff auch Olfen

Eine Postbedienstete konnte heimlich die Reichswehr in Berlin alarmieren

Sonderbeilalge der WAZ anl. der 1100-Jahr-Feier der Stadt Olfen

 

(tho) „Warnung! Bei Gefechten die Straßen und Chausseen räumen. Civilpersonen mit Waffen in der Hand werden erschossen. Die Reichswehr."

 

An der heutigen Gaststätte Hansainsel stand einst ein Anschlagpfahl, den ein Plakat mit diesem Text zierte. Dieses Kapitel aus dunkleren Tagen der Stadtgeschichte hat sich erst vor wenigen Jahrzehnten zugetragen: Auch Olfen spielte seine Rolle beim Spartakistenaufstand 1920.

 

Es war die politische Rechte, die unter der Führung des Reichswehrgenerals von Lüttwitz und des Vorsitzenden der „Vaterlandspartei" Wolfgang Kapp einen Putschversuch startete. Das demokratische Deutschland beantwortete den Kapp-Putsch mit einem Generalstreik, den verfassungstreue Reichswehrteile unterstützten. Obwohl der Putsch von Rechts niedergeschlagen wurde, war er doch das Signal zum Aufstand von Links.

 

„Arbeiter- und Soldatenräte", die aus der Zeit des Weltkrieges noch über Waffen verfügten , versuchten im Ruhrgebiet die Machtübernahme.

 

Von Datteln her drangen in den Ostertagen 1920 einige hundert Revolutionäre über die Lippe auch nach Olfen vor. Plündernd und marodierend zogen sie zunächst durch die Bauernschaft Sülsen, eine Spur der Vernichtung hinter sich herziehend. Bei Vinnum sprengten sie am Gründonnerstag die wichtige Brücke über die Rieselfelder.

 

Schließlich erlebte auch Olfen die Besetzung durch die Roten Brigaden. An strategisch günstiger Stelle, auf dem Dach der Gaststätte Bonberg, brachten sie ein schweres Maschinengewehr in Stellung. Rathaus und Post wurden besetzt, um die Telefonverbindung nach auswärts zu unterbrechen. Die Revolutionäre versuchten, sich in Olfen weiteren Waffenmaterials zu bemächtigen. Dabei stießen sie im Geschäftshaus Stollbrock an der Kirchstraße auf die Säbel und Holzgewehre der Olfener Schützengilde.

 

Auf eine List sannen schließlich der Gemeindevorsteher Nölke und der Gastwirt Niermann: Einheimische Arbeiter sollten sich den Besetzern als „Wachablösung" zur Verfügung stellen. Zwei Männer wurden eingeschleust. Theodor Westrup, der den Posten eines „Revolutionsbürgermeisters" bekleidete, und Emil Suppa, der Olfens „sozialistischer Postmeister" wurde.

 

Bevor jedoch diese Taktik richtig greifen konnte, kam Hilfe von anderer Seite: Josefine Holz, eine Postbedienstete, konnte auf dem Dachboden des Postamtes eine eigene Leitung nach Berlin schalten und die Reichswehr alarmieren.

 

Zwei Tage später rückten Reichswehrtruppen auf Olfen vor. Ein kurzes Feuergefecht, und die Revolutionszeit war nach einer Woche wieder beendet. Die Revolutionäre flohen Richtung Lippe, wo es an der Rauschenburg noch zu einem heftigen Schusswechsel mit Opfern auf beiden Seiten kam: Die Olfener Bürger, die nichts von den verdeckten Manövern ihres Gemeindevorstehers geahnt hatten, überzogen die vermeintlichen Spartakisten Westrup und Suppa mit bösen Beschimpfungen. Allerdings: So plötzlich der Spuk begonnen hatte, so schnell war er auch wieder vorbei und vergessen.